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Wie überprüft man schnell, ob seine Festplatte in Ordnung ist, oder nicht?

Festplatte

Egal ob Privatanwender oder Unternehmensmitarbeiter einer IT-Abteilung – plötzlich steht man vor dem Problem: Festplatten funktionieren nicht mehr so wie sie sollen, einige Daten sind plötzlich weg oder der Speicher springt einfach nicht an. Anders als bei dem gängigen Symptom eines starken Kratzgeräuschs ist hier nicht gleich klar, ob die Festplatte physikalisch defekt ist oder nicht. So sind viele Anwender zunächst irritiert und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Handelt es sich um ein singuläres Ereignis oder verabschiedet sich die Festplatte in Kürze (und damit auch die ganzen Daten) ins Nirwana? Das kann recht schnell passieren, denn in der Regel liegt die durchschnittliche Lebensdauer einer Festplatte bei rund 3 bis 5 Jahren.

Wenn sich die betroffene Festplatte noch ansprechen lässt, gibt es eine Vielzahl von passenden Diagnose-Software-Produkten mit denen man eine Diagnose über den Gesundheitszustand einer Festplatte durchführen kann. Dabei ist die Qualität der Tools durchaus unterschiedlich – manche sind relativ ungefährlich und können keinen (falls vorhandenen) weiteren Schaden verursachen, während andere so tief in die Hardware eingreifen können, dass bei falschem Einsatz sogar die Festplatte erst richtig kaputt gehen kann.

Die wichtigste Technologie die bei einer Festplattenüberprüfung zum Tragen kommt ist S.M.A.R.T. – Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology. Fast alle modernen Festplatten unterstützen heutzutage die sogenannte S.M.A.R.T. Analyse zur Überprüfung des physikalischen Zustands einer Platte. Laut einer von Google bereits vor einigen Jahren durchgeführten Studie können zwei von drei Festplatten-Crashs mit Hilfe einer solchen Analyse vorausgesagt werden.

S.M.A.R.T.  umfasst  10 kritische Indikationen, die abgefragt werden können und wenn bei diesen Ausfall angezeigt wird, kann es sich um einen „Möglichen Indikator für einen bevorstehenden elektromechanischen Ausfall“ handeln. Darüber hinaus  umfasst S.M.A.R.T. rund 30 weitere sogenannte Attribute, die abgefragt werden können und als Indikatoren dienen, wann mit einem Ausfall zu rechnen ist.

S.M.A.R.T. Analyse auch für SSDs

Eines dieser möglichen Attribute ist übrigens auch der  SSD-Indikator  „SSD Life Left“. Er zeigt die ungefähre SSD-Restlebensdauer in Bezug auf Programm- / Löschzyklen oder Flash-Blöcke an, die zurzeit verfügbar sind.

Festplatten-Diagnose

Normalerweise ist es allerdings so, dass man mit einer S.M.A.R.T Analyse erst dann in Berührung kommt, wenn es fast schon zu spät ist.  Deshalb sollte man bereits ab dem ersten Einsatz einer oder mehrerer Festplatten in regelmäßigen Zeitabständen die wichtigsten S.M.A.R.T Ergebnisse auslesen und prüfen. Leider ist es so, dass die meisten Betriebssysteme nicht automatisch die Diagnose-Daten ermitteln und dem Nutzer an einer gut sichtbaren Stelle präsentieren, sondern diese erst mühevoll mit Hilfe von Tools erhoben werden müssen.

Windows Check Disk Werkzeug

Zwar gibt es unter dem Windows Betriebssystem die Möglichkeit mit einem Rechts-Klick auf die Festplatte unter „Eigenschaften“ /“Tools“ / „Fehlerüberprüfung“ das sogenannte CheckDisk Werkzeug schnell zu starten. Allerdings gibt es hier den Nachteil, dass man unter Umständen gleich „Probleme“ bereinigen lässt, ohne dass das eigentlich notwendig gewesen wäre. Schließlich will man ja eigentlich nur die Informationen erhalten, ob etwas nicht stimmt. Deshalb sollte man darauf achten, dass man weder die „Automatische Datensystemfehler-Korrektur“ noch „Fehlerhafte Sektoren suchen/wiederherstellen“ angeklickt hat.  Anschließend überprüft das Tool die jeweilige Festplatte und liefert einen Report. Bei der Durchsicht fällt allerdings auf, dass das Tool leider nicht die Informationen der S.M.A.R.T. Analyse liefert, sondern nur allgemein sagt, dass das Speichermedium entweder in Ordnung ist oder nicht.

Der detaillierte Report enthält dagegen wichtige Informationen darüber, ob die Indexeinträge der Festplatte stimmen, der Sicherheitsbeschreibungen der Daten korrekt sind oder ob Probleme mit dem Datenstruktur vorliegen. Sicherlich wichtige Informationen – allerdings erst im zweiten Schritt, denn eigentlich will man ja feststellen, ob die Festplatte physikalisch in Ordnung ist und wie lange sie noch durchhält. Das allerdings ist eben nur mit den speziellen S.M.A.R.T. Diagnosetools zu bewerkstelligen.

Was kann ein S.M.A.R.T. Werkzeug leisten und was nicht?

Was ein solches Werkzeug normalerweise macht, ist das es mehrere unterschiedliche Tests mit der Festplatte durchführt: Zum Beispiel den schnellen  SMART Check, wo die wichtigsten Indikatoren (laut der Festlegung des Herstellers) in der Firmware der Festplatte, abgefragt werden: z.B. Kaputte Sektoren, neu zugeordnete Sektoren, die Anzahl der Dreh Starts der Spindel bis es auf volle Geschwindigkeit gekommen ist (Spin Retry Counts) oder einige andere. Der „Drive Self Test (DST)“ – auch Short Test genannt – oder den Long Test, wobei jeder einzelne Sektor der Festplatte gelesen wird und somit auch extrem lange dauern kann. Darüber hinaus gibt es auch den kleinen und großen generischen Test, wo am Ende der Tests detaillierte Reports geliefert werden, ob es oder wo es Probleme mit der Festplatte gibt. (Eine Übersicht welche  Werkzeuge angeboten werden findet sich hier:

https://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_S.M.A.R.T._tools

Hersteller eigene S.M.A.R.T. Werkzeuge

Viele Festplattenhersteller legen ihren Festplatten eigene Diagnose-Tools bei, die eine Vielzahl von wichtigen Informationen auslesen und dem Anwender zur Verfügung stellen. Darüber hinaus kann man bei einigen Tools noch Einstellungen der Festplatte verändern. Allerdings – und das ist wirklich ernst gemeint – lehnen sie jegliche Verantwortung für einen Datenverlust ab, wenn durch den Einsatz dieser Tools wichtige Daten verschwinden.

Welche Informationen diese mitgelieferten oder per Download herunterladbaren Tools liefern hängt vom jeweiligen Hersteller ab. Was sie auf jeden Fall leisten, ist, dass sie einerseits Defekte auflisten und anderseits die problematischen Sektoren  selbständig reparieren können. Wie gesagt – auch hier gilt: Auf eigene Gefahr!

Hier ein paar Links zu den kostenlosen Diagnose Werkzeugen von Seagate, Western Digital und Hitachi und Fujisu:

http://www.seagate.com/support/downloads/seatools/

http://support.wdc.com/product/download.asp?level1=6&lang=en

http://www.hitachigst.com/support/downloads/

http://www.majorgeeks.com/files/details/fujitsu_windows_diagnostic_tool.html

Kommerzelle Diagnose Werkzeuge:

Darüber hinaus gibt es auch eine Vielzahl von kommerziellen (kostenlosen und kostenpflichtigen) Werkzeugen, die in ihren Umfang stark voneinander abweichen und zum Teil unterschiedliche Informationen bieten. Was sie interessant macht ist, dass sie verschiedene Diagnose-Untersuchungen in eine Lösung zusammenfassen. So bieten sie in der Regel neben den S.M.A.R.T Analysen auch Benchmark- und File-Benchmark-Checks, Disk Monitoring und Error Scans sowie  Strom- und Temperatur-Überprüfungen.

Solche umfassenden kostenlosen Werkzeuge (für den persönlichen Gebrauch) sind z.B. CrystalDiskInfo, DiskCheckup, HD Tune, oder HDDScan. Alle vier Werkzeuge sind einfach zu bedienen und informieren den Benutzer innerhalb kürzester Zeit über den Gesundheitsstatus der geprüften Festplatte. Dabei kann HDDScan als einziges der vier auch RAID Volumes überprüfen und dabei auf ihnen einen Oberflächentest (surface test) durchführen. So ist die Software auch für kleinere Firmenumgebungen als schnelles Diagnose Tool geeignet.

In professionellen Umgebungen – will man auf eine Open-Source-Lösung zurückgreifen – bieten sich smartmontools (S.M.A.R.T. Monitoring Tools) an. Sie sind nicht nur für Linux, Mac oder Windows verfügbar, sondern auch für FreeBSD, NetBSD, OpenBSD, Solaris, OS/2, Cygwin, QNX oder eComStation. Neben Einzelplatten, unterstützen die Tools auch RAID-Verbünde.

Ein weiteres Tool ist Speedfan. Was dieses Werkzeug einzigartig macht, ist die Möglichkeit sich nicht nur den Gesundheitszustand auf Basis von S.M.A.R.T und anderen Indikatoren anzeigen zu lassen, sondern auch die prognostizierte restliche Lebensdauer. Und zwar nutzt es dafür eine Online-Datenbank von bisher geprüften Festplatten (In-depth online analysis) und vergleicht die ermittelten Ergebnisse mit früheren vergleichbaren Festplatten und errechnet daraus die verbleibende Lebensdauer. Man sollte sich allerdings intensiv mit dem Programm beschäftigen, bevor man an den Einstellungen herumexperimentiert und aus Versehen den Lüfter drosselt oder hochpowert.

Das gleiche gilt für die „gefährlichsten“ Software-Tools mit der man Festplatten diagnostizieren kann: Low-level HDD Diagnose Werkzeuge. Mit diesen Low-level-Programmen kann man unter Umständen auch Festplatten erkennen, die unter dem Betriebssystem oder sogar im BIOS nicht mehr erkannt werden. Ein solcher Vertreter ist MHDD. Neben der Möglichkeit S.M.A.R.T Scans durchzuführen, lässt sich mit diesem Tool auch defekte Blöcke in die Reservesektoren auslagern. Allerdings führt das natürlich dazu, dass dieser – normalerweise nicht zugängliche – Raum irgendwann auch voll ist. Wenn das zu oft gemacht wird kann es passieren, dass im Falle eines „normalen“ Remapping (durch die Firmware der Festplatte verursacht) kein Platz mehr zur Verfügung steht. Hier ist nicht nur ein Ausfall zu befürchten, sondern auch ein Datenverlust. Nämlich der Daten, die eigentlich neu auf die Platte geschrieben werden sollten. Außerdem kann man bei diesem Tool einstellen, dass automatisch Blöcke gelöscht werden sollen, die eine lange Zugriffszeit haben. Kurzum ein solches Tool sollten ausnahmslos Anwender nutzen, die sich a) mit dem Thema auskennen und b) das Manual komplett gelesen und verstanden haben.

Egal welches Diagnose-Werkzeug man eingesetzt hat und Ihnen ein S.M.A.R.T. Fehler angezeigt wurde, bedeutet das noch nicht, dass die Festplatte sofort aufhört zu funktionieren. Allerdings sollte man in so einem Fall davon ausgehen, dass sie sich bereits im Ausfallzustand befindet. Ein Komplettausfall kann dann in einigen Minuten, einigen Monaten oder – in einigen Fällen – erst in ein paar Jahren passieren. Egal wie lange das noch dauert, man sollte nicht mehr Daten dieser Festplatte anvertrauen.

Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Daten auf ein anderes Speichermedium gesichert haben, wie z.B. ein externe Festplatte, einer CD oder DVD oder auf einem Magnetband. Stellen Sie außerdem sicher, dass sie über ein aktuelles Backup verfügen, da die Festplatte jederzeit ausfallen kann. Mit einem vorfügbaren Backup sollten Sie zudem so schnell wie möglich die betreffende Festplatte durch eine neue ersetzen. Eine Festplatte die einen S.M.A.R.T. Test nicht besteht, sollte man als nicht zuverlässig ansehen. Selbst wenn Ihre Festplatte nicht vollständig ausfällt, könnte sie Teile  Ihre Daten beschädigen. Natürlich ist Hardware niemals perfekt – Festplatten können auch ohne eine S.M.A.R.T Warnung ausfallen. Trotzdem bietet S.M.A.R.T. so etwas wie eine Vorwarnung, dass Ihre Festplatte demnächst ausfallen könnte.

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