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SQL oder andere Datenbanken: Vor- und Nachteile einer Virtualisierung

Vor- und Nachteile einer Virtualisierung

1.Teil: Vor- und Nachteile einer DB-Virtualisierung


Wie bei der gängigen Virtualisierung von Desktop-Applikationen, Servern oder Storages bietet auch der Betrieb von Datenbanken in virtuellen Maschinen einige unbestreitbare Vorteile. Neben der optimalen Auslastung der verwendeten Hardware, der dadurch erzielten Einsparung an Strom, die Vermeidung oder Begrenzung bei der Neuanschaffung neuer Geräte und der Vereinfachung bei der Verwaltung der Datenbank-Lösung bietet die Virtualisierung gerade auch für die sehr ressourcen-hungrigen Datenbank-Systeme für CRM, ERP oder BI – hier sei nur das Stichwort Data Mining genannt – noch weitere Pluspunkte:

  • Live-Migration: Virtuelle Datenbanken können ohne Betriebsunterbrechung bei Hardware-Problemen von einem physikalischen Server auf einen anderen migriert werden
  • Kosteneffiziente und einfache Implementierung von Hochverfügbarkeitslösungen
  • Flexible, dynamische und automatisierte Bereitstellung von neuen Systeminstanzen und Ressourcen bei Bedarf (Skalierbarkeit)
  • Möglichkeit der agilen Datenbank-Entwicklung: Die Verwendung verschiedener virtueller Maschinen mit unterschiedlichen Datenbank-Systemen oder -Versionen fördert die Entwicklung oder Tests im Rahmen des Try-and-Error-Prinzips der agilen Software-Entwicklung. Unterschiedliche Systemstände lassen sich ohne viel Mühe anpassen, ändern oder löschen, ohne das Risiko, „fertige“ Datenbanken unter Umständen zu beeinträchtigen
  • Bessere Verfügbarkeit: Durch die Trennung der virtuellen Maschinen voneinander können bei Problemen einer VM andere VMs ohne Performance-Einbußen problemlos weiterlaufen

Kein Wunder also, dass auch die Datenbank-Virtualisierung immer mehr zunimmt. Aber trotz der genannten Vorteile kann es auch zu Nachteilen kommen, wenn der Einsatz zu schnell und ohne ausreichende Planung durchgeführt wurde. Denn bei der Implementierung gilt es einiges zu beachten. Zu Problemen kann es besonders in folgenden Fällen kommen…

  • Virtualisierung mit zu gering dimensionierter Hardware: Datenbanken benötigen generell viel Ressourcen, egal ob bei einem realen oder virtualisierten System. Virtualisierte Datenbank-Systeme auf Basis von Microsoft SQL Servern, aber auch Qracle oder anderen, benötigen – genauso wie reale Datenbanken – leistungsfähige Prozessoren, viel Speicherkapazität und vor allem einen großen Hauptspeicher, damit  die Daten vom System schnell verarbeitet werden können. Wird das vom virtuellen System nicht zur Verfügung gestellt, kann es zu deutlichen Leistungseinbußen kommen.
  • Lizenzen: In einigen Fällen, wie beispielsweise bei alten Oracle-Datenbanken, lassen sich die bisherigen Datenbank-Lizenzen nicht 1:1 auf ein virtualisiertes System übertragen, da sich hier die Gebühren auf die (mögliche) Leistung des Systems beziehen und nicht auf die tatsächlich genutzte. Wichtig ist es deshalb vor einem Umstieg erstmal zu prüfen, wieviel Instanzen und Prozessoren tatsächlich genutzt werden sollen, umso einen Vergleich zwischen den Kosten eines physisch-vorhandenen Datenbank-Servers oder seines virtuellen Pendants zu erhalten.
  • Fehlendes oder nicht ausreichendes Mitarbeiter-Knowhow: Datenbanken sind ihrer Natur nach komplex, daran ändert auch die Virtualisierung nichts. Und auf Datenbank-Administratoren (DBAs) kommt mit der Virtualisierung eine neue Technologieschicht hinzu, die die Komplexität nochmals erhöht. Wenn also in der Firma nicht zwischen IT-Admins, die für die Virtualisierung zuständig sind, und DBAs unterschieden wird, dann muss sich der Mitarbeiter neben dem reinen Datenbank-Knowhow sich auch tiefgreifendes Wissen über die DB-Virtualisierung aneignen.
  • Mangelnder Austausch oder Kooperation zwischen IT-Admins und DBAs: Viele Datenbank-Admins haben keinen wirklichen Zugang zu den Tiefen der Virtualisierungsschichten, da dieser von IT-Admins verwaltet werden. Bei Problemen mit der Datenbank, deren Ursache in der VM oder im virtuellen System liegen, kommt es oft zu großen Zeitverzögerungen bei der Behebung des Problems.

Gerade beim letzten Punkt, so zeigt die Erfahrung der Datenrettungsspezialisten von Kroll Ontrack, muss oftmals deutlich nachgebessert werden. Denn wie auch bei normalen Ausfällen von virtuellen Systemen liegen die Gründe für das Verschwinden von virtualisierten Datenbanken hauptsächlich in…

  • neu formatierten VMware Datastore-Volumes,
  • beschädigten VMFS-Datastore-Volumes,
  • beschädigten Gastdateisystemen,
  • korrupten virtuellen Dateien (VMDK/VHD) oder
  • versehentlich gelöschten Dateisystemen (VMDK oder VHD).

Dabei zeigt sich also: Es liegt nicht etwa ausschließlich an Hardware-Ausfällen oder-Defekten, die zu einem Ausfall oder Verschwinden der virtuellen Daten bzw. der Datenbanken führen, sondern in vielen Fällen ist die Ursache menschliches Versagen. Dabei zeigt sich, dass der verantwortliche Datenbank-Administrator (DBA) oftmals einfach überfordert ist, wenn etwas Unerwartetes passiert.

Aber wie sollte man sich jetzt entscheiden: Seine Datenbanken virtualisieren oder nicht? Im zweiten Teil dieses Artikels geben wir die Antwort auf diese Frage und geben wichtige Hinweise darauf auf was man achten sollte, wenn man eine Datenbank-Virtualisierung in Erwägung zieht.

Bildmaterial: Windorias / pixelio.de