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Menschen sind ersetzbar

Industrie 4.0

Der Treibstoff der heutigen Arbeitswelt sind immense Datenmengen, die mit immer größerer Geschwindigkeit erzeugt, verarbeitet und gespeichert werden. Und im alltaglichen Arbeitsprozess können Maschinen immer häufiger besser als Menschen die gestellten Anforderungen erfüllen.

Schon in den fünfziger Jahren sagte verkündete IBM-Präsident Thomas Watson: „Unsere Maschinen befreien den menschlichen Geist, indem sie ihm langweilige Routinearbeit abnehmen“. Nun ist es soweit. Vernetzte Roboter „befreien auch Millionen gelernter Arbeitskräfte von ihren Arbeitsplätzen“, wie Gewerkschaftsführer Walter Reuther meint.

Bei Amazon wurden die „Picker“ in den Lagerhallen mit kleinen Handhelds ausgerüstet, die sekundengenau protokollieren, wie lange es dauert, bestellte Ware aus den Regalen zu holen. Verglichen wird die Zeit mit der, die die Lagerroboter von Amazon Robotics (ehemals Kiva Systems) benötigen. So wurde ein Einsparpotenzial zwischen 20 und 40 Prozent pro Bestellung errechnet.

Das nach dem früheren IBM-Präsidenten genannte Superhirn Watson arbeitet heute im direkten Gespräch als Kundenberater, unterstützt Ärzte bei Diagnosen und gibt Empfehlungen zu Finanzprodukten. Die künstliche Intelligenz Amelia (IPsoft) kann das alles anscheinend noch besser. Amelia berät Kunden in der Bank- und Versicherungswirtschaft und im Ölgeschäft (in 21 Sprachen) und arbeitet bei der größten japanischen Einzelhandelskette – als Kosmetikberaterin. Auch für die menschlichen Mitarbeiter von Callcentern sieht es schlecht aus: Amelia kann gleichzeitig über 25000 Gespräche führen.

Während in früherer Zeit durch Rationalisierungsschübe hauptsächlich Angestellte und ungelernte Arbeiter ihre Jobs verloren, trifft es diesmal auch die Führungsebene. Bei der chinesischen Fondsgesellschaft Deep Knowledge bekam die künstliche Intelligenz VITAL (Validating Investment Tool for Advancing Life Sciences) kürzlich einen Platz im Vorstand – als stimmberechtigtes Mitglied.

Selbst kreativen Arbeiter werden nicht verschont. Nach dem (glücklicherweise nur leichten) Erdbeben von Los Angeles im Jahr 2014 war der Erste, der darüber einen Artikel veröffentlichte, ein Roboter (besser: ein Stück Software) namens Quakebot. Programmiert vom Journalisten Ken Schwencke sammelt die Software nach einem Alarm des U.S. Geological Survey Daten über ein Erdbeben und formuliert daraus einen lesbaren Text. Der Artikel über das Erdbeben von Los Angeles wurde nach drei Minuten online gestellt – mit allen wichtigen Eckdaten. Auch in Deutschland ist man mit automatischer Texterstellung beschäftigt. Die Berliner Firma Text-on arbeitet an einem Programm, das sich mit Finanz- und Sportberichterstattung befasst.

Es sieht so aus, als ob es keinen Arbeitsbereich gäbe, der nicht von automatischen Maschinen übernommen werden könnte. Industrie 4.0 lässt grüßen.

Bildquelle: 849356 / pixabay