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Die vier häufigsten physischen Ausfälle bei Festplatten

Reinraum Kroll Ontrack

Über die Jahre haben wir Festplatten in unseren Reinraum angeliefert bekommen und dabei die vielen Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle hautnah untersuchen können. Generell kann man aber feststellen, dass eine Festplatte, wenn sie richtig benutzt wird, ein ziemlich beständiges Speichermedium ist und darüber hinaus auf einer Technologie aufsetzt, die ideal zur Speicherung von persönlichen Daten ist. Trotzdem haben wir gesehen was wichtigen Daten passieren kann, denn es kam bei unseren Kunden zu unzähligen Schäden und Ausfällen, die zu Datenverlust führten. In diesem Beitrag konzentrieren wir uns ausschließlich auf physikalische Probleme bei Festplatten, da diese aufgrund ihrer Technik komplett anderes sind als bei anderen Speichermedien, die auch auf dem Markt verfügbar sind, wie z.B. Solid State Drives (SSD). Lassen Sie uns physisch, physisch werden! Einer der häufigsten Datenverluste durch physische Ausfälle passiert auf der Schreib-/Lese-Kopf-Baugruppenebene, wo sich der Schreib-/Lese-Mechanismus befindet. Das ist die wichtigste Baugruppe der Festplatte, auf der sich nicht nur schnell bewegende Bauteile befinden, sondern auch sehr sensible. Zum Glück ist eines der Teile, über die wir uns heutzutage nicht mehr viel Sorgen machen müssen, die Spindel. Aus dem was wir in den letzten Jahren im Reinraum gesehen haben, lässt sich vermuten, dass die Hersteller kontinuierlich an diesem Bauteil gearbeitet haben, sodass die Ausfallzahlen für dieses spezifische Teil der Festplatte kontinuierlich gesunken sind. Leider sind es die zarten Schreib-/Leseköpfe, die immer noch ein Risiko aufweisen. Der Schreib-/Lesekopf schwebt dabei in einem Mindestabstand über der beschichteten Scheibe (weniger als die Dicke eines einzelnen menschlichen Haars), wo es kontinuierlich die neu erstellten Daten aufzeichnet. Jedes Mal, wenn die Festplatte getroffen, fallen gelassen, geschüttelt oder sonst wie unsensibel behandelt wird, kann es zu Schäden auf der Scheibe und damit der Daten kommen. Wenn die Scheibe beschädigt ist, folgt meist ein sogenannter Head-Crash (ein physischer Kratzer auf der Scheibe, was sich auf den Daten-Zugriff auswirkt). Es ist elektrisierend! Platine mit elektronischem Ausfall Festplatten können auch von elektronischen Ausfällen betroffen sein. Spitzen bei der Netzspannung können über die HDD-Leiterplatte (printed circuit board /PCB) und anschließend über die Schreib-/Leseköpfe auf die magnetische Scheibe übertragen werden und dadurch magnetische Schäden verursachen. (Auch als sogenannte „Medien-Korruption“ bekannt). Kleiner Tauchgang gefällig? HDD mit Wasserschaden Eine weitere häufige Schadensart ist auf Wasser zurückzuführen. HDDs haben eine Öffnung mit einem eingebauten Filter, die benötigt wird um den Druck zwischen dem Gehäuseinneren und –äußeren auszugleichen. Dies bedeutet, dass, wenn ein Laufwerk für einige Sekunden in Wasser eingetaucht wird, normalerweise kein großes Problem daraus entsteht. Wenn allerdings eine Festplatte über eine längere Zeitspanne unter Wasser ist, kann die Flüssigkeit – designbedingt – über die Filteröffnung in das Laufwerk eindringen. Es ist ein Disk-Inferno! Festplatte mit Brandschaden   Ein weiterer physischer Ausfall, den wir oft sehen, ist auf Feuer zurückzuführen. Während eine kurze Verweildauer bei Temperaturen von 100 Grad Celsius zu keinen größeren Schäden führen dürfte, wird es bei 200 Grad Celsius und einer längeren Zeitspanne wahrscheinlich zu einiger Datenkorruption kommen. Beim Aussetzen einer Festplatte von Temperaturen über 300 Grad Celsius kann es zum „Ent-Löten“ der elektrischen Verbindungen kommen und da die Festplatten und die darin enthaltenen Datenscheiben aus Aluminium bestehen, können diese sich verbiegen und verziehen. Ein weiteres Problem mit Brandschäden das oft übersehen wird, ist dass Feuerwehrleute kaltes Wasser verwenden, um das Feuer zu löschen. Dadurch kommt es bei betroffenen Festplatten nicht nur zum Eindringen von Wasser in die Gehäuse, sondern auch zu extremen Temperaturänderungen, die zu weiterem Verziehen der inneren Scheibe und dadurch zu weiteren Vergrößerung des Schadens führen können. (Hier können Sie ein paar Bilder von vom Feuer beschädigten Festplatten sehen…) Game over? Können Daten überhaupt bei solchen Schäden wiederherstellt und gerettet werden? Glücklicherweise ja, wenn Sie Hilfe eines Experten in Anspruch nehmen, der weiß, wie man die Daten wiederherstellen kann, anstatt weitere (und vielleicht irreparable) Datenverluste zu riskieren. Es gibt viele Faktoren, die beeinflussen, ob eine Wiederherstellung möglich ist oder nicht. Beispielsweise hängt eine Wiederherstellung davon ab, wie groß oder schlimm der Head-Crash ist. Manchmal ist die Elektronik selbst beschädigt, aber sobald diese wieder repariert ist, kann die Festplatte selbst in einem so guten Zustand sein, dass eine Wiederherstellung möglich ist. Die Dauer der Aussetzung mit Wasser oder Feuer kann ebenfalls ein entscheidender Faktor sein. Bei Brandschäden an Festplatten, die wir im Reinraum bearbeitet haben, kann man sagen, dass bei mehr als 80 Prozent der Fälle die Daten wiederherstellbar waren, da vorwiegend Rauchschäden an den Platten vorlagen und man die Daten mit den richtigen Werkzeugen wiederherstellen konnte. Eine Sache die man auch im Auge behalten sollte, ist, dass Laptops und Desktops in der Regel besser vor äußeren Beschädigungen geschützt sind als die reine Festplatten. Das bedeutet, dass es zwar zum einen für Datenrettungsspezialisten länger dauert zum Laufwerk vorzudringen, die Daten aber eine bessere Chance zum Überleben haben können. Also, was ist denn normal? Alle Festplatten sollten beim Betrieb recht leise sein. Ungewöhnliche Geräusche einschließlich Klicken, Zischen und Kratzen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass die Festplatte beschädigt ist. Sie sollten sofort aufhören die Platte zu benutzen, um weiteren Datenverlust zu vermeiden. Der Silberstreif am Horizont Untergangsstimmung im Festplatten-Land ist aber auch nicht angesagt. Bei dem regelmäßigen Festplatten-Eingang in unserem Reinraum kann man feststellen, dass sie in Bezug auf die Fertigung immer besser werden und deshalb weniger Abstürze von ordentlich genutzten Geräten festgestellt werden können. Trotzdem Fehler immer wieder auftreten können ist die Festplatte genauso zuverlässig wie jedes andere auf dem Markt verfügbare Speichermedium und so eine gute Option für viele – auch moderne – Speicheranforderungen.