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Der digitale Schatten

Digitale Spuren

Viele Menschen bewegen sich tagtäglich völlig selbstverständlich und ungeniert durchs Netz und nutzen intensiv die vielfältigen Angebote, die das World Wide Web zu bieten hat. Es ist dank der sich immer rasanter entwickelnden technischen Möglichkeiten heutzutage nahezu jederzeit verfügbar und die Anzahl der Geräte, die ständig mit dem Netz kommunizieren, nimmt ebenfalls immer mehr zu.

Aber nicht nur die Geräte, sondern auch die zur Normalität gewordenen Aktivitäten lassen das digitale Universum explodieren: Emails, SMS, Video-Dateien, Downloads von MP3-Musikdateien, Online-Banking, Cloud-Computing und nicht zu vergessen die Interaktivität über soziale Medien, sorgen dafür, dass die Informationsmenge, die jeder Einzelne konsumiert und erzeugt, rapide steigt.

Digitale Aktivitäten hinterlassen Spuren
Sobald wir Online-Services nutzen hinterlassen wir digitale Spuren. Dabei muss zwischen aktiv und passiv hinterlassenen Footprints unterschieden werden. In vielen Fällen werden Daten ohne unser Wissen und entgegen unserer Zustimmung gesammelt. Oftmals geben wir aber auch willentlich unsere Daten in die Hände von digitalen Service-Anbietern oder teilen bereitwillig Persönliches über die sozialen Netzwerke.

Schon vor einiger Zeit postulierte eine Studie des Marktforschungsunternehmens IDC den Umfang des digitalen Schattens eines einzigen Menschen auf 45 GB und prognostizierte einen weiteren zigfachen Anstieg des persönlichen Informationsuniversums in den folgenden Jahren.

Dazu kommt, dass die Möglichkeiten der Vernetzung von Geräten durch das Internet der Dinge zusätzlich zur Datenexplosion beitragen. Aktuelle Zahlen von EMC belegen, dass die Anzahl der „Dinge“, die computerisiert und vernetzt wurden bereits an die 200 Millionen heranreicht. Dabei muss man nicht mal an den viel zitierten Kühlschrank denken, der sich selbst wieder „digital“ befüllt oder an simple Thermostate, die das Kommando über unsere Wohlfühltemperatur übernehmen können. Ganz egal, ob das Internet of Things schon in unserem Alltag angekommen ist oder nicht, Tatsache ist, bei Schritt und Tritt produzieren wir Daten und unser digitaler Schatten wird dabei immer länger und länger.

Was bedeutet das für die Datensicherheit?
Die IT-Abteilungen von Organisationen jeder Branche und Größe sind für einen Großteil der entstehenden Daten auf irgendeine Art und Weise involviert und zudem verantwortlich für deren Speicherung, Übermittlung und Bereitstellung. Ganz abgesehen von den Aufgaben zur Einhaltung von internen Compliance-Regeln oder externen Datenschutzrichtlinien.

Für IT-Manager bedeutet das eine wachsende Herausforderung mit der Komplexität und dem Facettenreichtum von Big Data zurechtzukommen. Aber nicht nur für Unternehmen ist das Datenmanagement ein aufwendiges Unterfangen, auch Konsumenten sollten mehr auf den sicheren und cleveren Umgang mit ihrem privaten digitalen Eigentum achten.


Was bedeutet das für das Verhalten des Einzelnen?
Der erste Schritt zu einem größeren digitalen Bewusstsein ist zuerst einmal herauszufinden, wie und wo man seine digitalen Fußspuren gesetzt hat. Mit Hilfe der Webseite Me and My Shadow der Organisation Tactical Tech kann man sich beispielsweise einen ersten Überblick darüber verschaffen und Tipps und praktische Anregungen zu einem besseren Umgang zum Schutz der eigenen Privatsphäre einholen. Die Webseite Digitalshadow.com geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet die Möglichkeit für besonders Wagemutige per Login eine exakte Berechnung des digitalen Schattens zu entwerfen – nach dem Motto: „Access your digital Shadow and see what we see.“

Solche Tools können hilfreich sein, das Bewusstsein für den Schutz persönlicher Daten zu schärfen, aber auch schon im Vorfeld können Maßnahmen zur Einhaltung der Privatsphäre getroffen werden.
Tipps und Tricks zur besseren Kontrolle der eigenen Datenspur:Zeigen Sie nur das, was Sie möchten

  1. Google yourself
    Dieser Hinweis mag ein wenig absonderlich wirken, aber – wenn Sie es noch nie getan haben – es könnte Ihnen die Augen öffnen.
  2. Lesen Sie Privacy Settings und handeln Sie auch danach
    Gerade in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter lohnt es sich, die Angaben zur Privatsphäre und zum Datenschutz genau zu studieren und entsprechend danach zu handeln. Beobachten Sie auch genau, wenn Änderungen oder Updates in den Privacy Settings vorgenommen werden.
  3. Account Management
    Verschaffen Sie sich einen Überblick über alle Accounts, die sie jemals angelegt haben. Löschen Sie die, die nicht mehr gebraucht und verwendet werden.
  4. 3. Achten Sie genau darauf, was Sie teilen
    Der Tipp, einfach nur weniger zu posten oder zu teilen, mag für die Meisten kein ausreichend wertvoller Hinweis zu sein… Dennoch, denken Sie immer daran, nichts preiszugeben, was nicht für Jedermann bestimmt ist. Seien Sie vor allen Dingen mit Usernamen, Aliassen, Passwörtern, vollständigen Namen, Telefonnummern etc. besonders vorsichtig.
  5. Digitale Radiergummis
    In vielen Fällen ist es nicht so einfach möglich die digitale Vergangenheit unsichtbar zu machen. Allerdings gibt es für Twitter schon einige Tools (z. B. tweetdelete) am Markt, mit denen Einträge nach Ablauf einer voreingestellten Zeit automatisch gelöscht werden können.
    Eine Selbstzensur mit dem Tool Clear ist ideal für soziale Multi-Tasker und kann neben Twitter auch Facebook und Instagram bereinigen. Und zwar auf besonders clevere Weise: Clear identifiziert selbstständig Posts mit „unangemessenem Inhalt“ und „negativem Sprachgebrauch“.

Fazit:
Auch wenn hier nur ein kleiner Ausschnitt der Auswirkungen des digitalen Schattens und seiner Folgen aufgezeigt werden konnte, zeigt sich deutlich: Beim Bewegen im Internet geht nichts über einen gesunden Menschenverstand. Zu wissen, was eigentlich alles an persönlichen und geschäftlichen Informationen zu verfolgen möglich ist, ist schon mal ein guter Anfang, den digitalen Schatten zu entmystifizieren und damit zu beginnen, ganz persönlich die eigene digitale Verantwortung zu tragen.

Bildnachweis: iStock